Freitag, 21. November 2014

Thank you for choosing Blogst 14

Ich werfe den Tchibo-Kaffeebecher in die Mülltonne auf dem Bahnsteig. Der Geschmack auf meiner Zunge kann nur bedeuten, dass dort ein kleines, pelziges Tier verstorben ist, das sich ausschließlich von Maggi ernährt hat. Ich habe Sodbrennen und Herzrasen. Auf den Gleisen steht ein Zug, nicht mein Zug, ich hätte in Hannover eigentlich gar nicht umsteigen müssen. Musste ich dann aber doch, irgendwie war eine Achse kurz vor Hannover gebrochen und hier stand ich nun. Zwei Bahn-Mitarbeiterinnen mit albernen roten Kappen rennen hektisch hin und her - der Zugführer, der diesen Zug eigentlich weiterfahren soll, ist noch nicht da. Herzrasen. Zur Beruhigung sage ich ein Mantra auf. Die Wagen- und Sitzplatznummer für den Zug nach Stuttgart, der hoffentlich bald kommt. 6 94 6 94 6 94 6 94 6 94 6 94 6 94 6 94. Ich fühle mich wie bei Lost.
Falls meine Handtasche verloren gehen oder geklaut werden sollte, habe ich meinen Haustürschlüssel in meinen Koffer getan. Nach ganz unten. Fällt mir gerade ein. Hurra. Mein Zug kommt.
Zum Glück konnte ich am Automaten noch einen Sitzplatz für diesen Zug reservieren, im Ruhebereich. Dort ist telefonieren verboten. Kaum hat der Zug die Türen geöffnet, quetschen sich alle in den Zug, befürchtend, dass dieser nur 30 Sekunden hält und man sehr. schnell. einsteigen muss.
Ich stehe im Gang vor den Klos, vor mir etwa 40 Menschen, denen das relativ neue Prinzip der Sitzplatzreservierung noch nicht geläufig ist.
"Entschuldigung, das ist mein Platz!"
"Wieso?"
"Naja, ich habe den reserviert."
Grummelgrummel, betont langsames Sachenzusammensuchen.

Oder auch schön:

"Entschuldigung, das ist mein Platz!"
"Nein, ich glaube nicht!"
"Doch! Ich habe den reserviert! (Kram, wühl, knister) Hier: Wagen 7, Platz 93!"
"... das hier ist Wagen 8."
"Oh... hehe."

Irgendwann haben sich alle beruhigt und einen Platz gefunden. Für meinen Koffer finde sofort einen Platz auf der Kofferablage, meine Sitznachbarin sieht ungefährlich aus - erleichtert sinke ich in den Sitz. Zum Glück muss ich ja nur noch 4,5 Stunden fahren. Ich kuschele mich in die Lehne, alle anderen telefonieren. Schräg links höre ich einen Mann mit Golden Retriever-Welpenstimme sagen: "Ja, ich bin bald da ... Ja, Schatz. Hmhm.... Ist gut, Maus ... Ja, hmhm ... Dann schlaf schön, ne. ... Ja, Schatzi. Tschühüüss! Pfüpfü." Er küsst zwei Mal in den Hörer. Der Kaffee-Maggi-Hamster versucht sich einen Ausweg zu bahnen. Die Dame rechts neben mir erklärt ihrem Handy, dass sie sich das nicht bieten lässt und überhaupt. Im Vierer vor uns sitzen vier junge Herren und vergleichen die Größe ihrer Oberarmtattoos und ihres Alkoholpegels. Ich bin mir sicher, gleich das Geräusch von vier sich öffnenden Jeansreißverschlüssen zu hören. Ruheabteil, Spitzensache. Muss ich sagen.
Ich setze mir Kopfhörer auf und küsse in Gedanken ("Pfüpfü!") den Erfinder dieses wunderbaren Misanthropieberuhigungsapparats. Ist es echt erst wenige Stunden her, dass ich in Hamburg bei der Blogst war? Öff. Ich blättere durch mein Notizbuch, das mich seit zwei Jahren auf Blog-Workshops und Konferenzen begleitet. Es ist fast voll, die Blogst 14 hat ihm den Rest gegeben. Gut so.

Holunderweg18 Blogst14 Bloggerkonferenz Hamburg
 Nach der letzten Blogst war ich sehr euphorisch, hatte etliche neue Leute kennengelernt und war völlig kaputt.
Das war diesmal anders. Auf eine gute Weise. Ich habe viele Gedanken mit auf den Weg bekommen, die mich noch ein wenig beschäftigen werden, habe Kontakte und Bekanntschaften vertieft, was ich sehr schön finde. Blogst ist auch irgendwie Klassenfahrt. Leider mit 200 Leuten, ich habe nicht mal annähernd geschafft, alle kennenzulernen und mit allen zu reden, bei denen ich es mir sehr gewünscht hätte.
Blogst14 Rückschau Zusammenfassung Bloggerkonferenz Hamburg Holunderweg18
Ganz herzlichen Dank an Clara und Ricarda, an die wirklich tollen Speaker, die Sponsoren und alle, die da waren.

Wenn ihr ein bisschen bei Twitter nachlesen wollt, dann schaut euch die Hashtags #blogst14 #mutbloggen und #tumulte an.

Ich wünsche euch Schönes

Natalie

P.S.: Ich bin übrigens um 1.20h in Stuttgart angekommen, musste dann mit etwa 100 Leuten auf Taxigutscheine warten und habe dann um 2:25h auf dem Bürgersteig vorm Haus meinen Koffer ausgeräumt. Der Schlüssel...








Kommentare:

  1. bin ich alt?
    was ist Blogst, und Hashtag?
    ..
    hab mich aber dennoch gut amüsiert bei diesem Beitrag ;)
    kann dich fast sehen wie du dort sitzt und die verhaltensoriginellen Zeitgenossen beobachtest
    ..
    ok, ich bin -älter-
    lieben Gruß zu dir
    Sophie

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  2. Dann warst Du auch in unserem Zug!! :)
    Wir haben alle aufgesammelt aus Hannover... jaja. CHAOS!
    Wir hatten dadurch auch Verspätung und fast den Anschlusszug in Karlsruhe verpasst. Dieser musste allerdings auf uns warten, weil es der letzte Zug war... hach.

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  3. So toll geschrieben..bahnstories sind doch immer witzig xD solange man sie nicht selbst erlebt..
    War toll dich mal wieder getroffen zu haben :D

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  4. Meine Nachricht ist hier irgendwie einfach verschwunden glaube ich... jedenfalls: was für eine aufregende Rückfahrt! Und noch viel mehr: was für ein aufregendes Wochenende! vielleicht schaffe ich es im nächsten Jahr auch mal zur blogst - dann lern ich Dich vielleicht auch persönlich kennen. : )
    Hab ein schönes Wochenende! Julika

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  5. was für eine Rückreise.. örgs!! Du Ärmste!!

    Schön Dich gehen zu haben! Nächstes mal qutaschen wir dann auch etwas mehr, ja?

    Alles Liebe
    Claretti

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  6. Hallo Natalie,
    ich glaube, dich habe ich leider nicht kennen lernen dürfen auf der Blogst. War ja auch ein bisschen viel alles. Du hast einen ganz anderen Schreibstil, als würde man ein Buch lesen, irgendwie lustig.
    LG Steffi

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  7. Die Szenen mit der Sitzplatzreservierung - sorgen auch bei mir immer wieder für #tumulte :). Schön, dass Du da warst! Liebe Grüße, Ricarda

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  8. Haha, super Story. Es war schön dich wiederzusehen. Und immerhin hatten wir sogar ein Essen zusammen. Mit 193 anderen Menschen hat das nicht geklappt ;)!

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  9. „Pfüpfü” werde ich jetzt, hier und sofort in meinen ständigen Sprachgebrauch aufnehmen. Groß! Danke dafür. Und für den tollen Bericht.
    Mel.

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